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Sennestadtverein: Gespräch Burkamp-Klemens

Sennestädter Gespräche  Dieter Burkamp interviewt Ulrich Klemens
 
Dieter Burkamp beendete seine Veranstaltungsserie "Sennestädter Gespräche". Als letzten Gast wünschte er sich seinen langjährigen  Weggefährten Ulrich Klemens. Das Thema des Abends hatte den Schwerpunkt "Ehrenamt".
Auszug von http://de.wikipedia.org/wiki/Ehrenamt 

Ein Ehrenamt im ursprünglichen Sinn ist ein ehrenvolles und freiwilliges öffentliches Amt, das nicht auf Entgelt ausgerichtet ist. Man leistet es für eine bestimmte Dauer regelmäßig im Rahmen von Vereinigungen, Initiativen oder Institutionen. Heute wird „Ehrenamt“ zunehmend gleichbedeutend mit Begriffen wie „Freiwilligenarbeit“ oder „Bürgerschaftliches Engagement“ verwendet.

Das Gespräch fand in einer lockeren und freundschaftlichen Atmosphäre statt.
Zum besonderen Ausdruck der Freundschaft wurden nach dem Gespräch persönliche Geschenke ausgetauscht
Dieter Burkamp stellte fest, dass er selten so viele Zuhörer in diesem Gesprächskreis begrüßen konnte.
 
Das Interview
Der Schwerpunkt des Interviews war dem Thema „Ehrenamt“ gewidmet.
 
Nach der Einleitung und einer kurzen Schilderung von Ulrich Klemens, wie er zum Amt des Vorsitzenden gekommen ist, war die erste Frage von Dieter Burkamp:
 
Warum sind überwiegend die Alten engagiert? War das früher nicht anders?
 
Zunächst einmal ist bei wachsendem Anteil von Älteren in der Bevölkerung die Wahrscheinlichkeit groß, dass eben auch viele Ältere in Ehrenämtern auftauchen. Ich glaube aber, dass die Ursachen unabhängig vom Alter in einem geänderten gesellschaftlichen und politischen Bewusstsein liegen. Da in unserem Gemeinwesen alles recht stabil und wohl organisiert abläuft, ist es für viele damit getan, im demokratischen Sinne die Stimme abzugeben und damit am liebsten auch die Verantwortung.
Meine Vermutung ist, dass es eine Neuorientierung zum Privaten gibt (red. Anmerkung: auch wegen der Komplexität unserer sozialen und technischen Umwelt). Der Interessenkreis beschränkt sich damit mehr auf einen engeren durch individuelle Interessen bestimmten Bereich und die Frage: Was bringt mir das?
Die Aufgabe wäre sicherlich, wieder für ein umfassenderes gesellschaftliches und politisches Bewusstsein zu werben. Die „Zivil- oder Bürgergesellschaft“ sollte weiterhin propagiert werden. Denn sie bezieht sich auf zwei Aktivitäten: zum einen das gemeinsame Engagement von Bürgern zur Lösung kleinerer oder größerer Probleme, die weder von Staat noch Markt noch Familie ausreichend lösbar sind („mit anpacken“), und zum anderen die politische Einflussnahme von Bürgern („mitbestimmen“) auf die Entscheidungen der „Parlamente“ auf allen Ebenen von der Bezirksvertretung bis zum Bundestag (Teile sind Zitat aus de.wikipedia.org/wiki/Zivilgesellschaft)
 
Welche Zukunftsperspektiven gibt es?
 
Der Sennestadtverein ist von seinem Selbstverständnis her recht unspezifisch, d.h. von seiner Aufgabenstellung nicht wie ein Gesangs- oder Sportverein auf bestimmte Themen festgelegt. Er kann seine Aufgaben den gesellschaftlichen oder politischen Notwendigkeiten anpassen. Und er kann innerhalb seines organisatorischen Rahmens viele bislang noch abwartende Personen projektbezogen einbeziehen.
Dabei ist es ganz entscheidend, dass man nicht wartet, bis einem etwas vorgegeben wird, sondern dass man die lokalen Probleme und Themen früh erkennt, durchdenkt und Lösungsvorschläge erarbeitet.
Ein schönes Beispiel ist das Projekt „Stadtumbau West“, in das viele Lösungsvorschläge des Arbeitskreises „Ortsbildpflege“ einbezogen wurden, die schon Jahre im Voraus ausgearbeitet wurden.
Zwar hat der Sennestadtverein (wie auch die Bezirksvertretung) „nichts zu sagen“, aber durch sein Engagement ist er eine wichtige Ergänzung zur Administration, die sich dadurch nicht unerheblich entlastet.
 
Wird das Ehrenamt dann nicht von der Administration ausgenutzt?
 
Natürlich ist das bequem für die Kommune. Aber in diesem Fall sollte nur das Ergebnis zählen. Wenn es auf eine Konvergenz hinausläuft, bei der alle Beteiligten (Bezirksamt – Bezirksvertretung – Sennestadtverein) etwas davon haben, dann sollten solche Überlegungen keine Rolle spielen.
Am Beispiel des Projektes „Stadtumbau West“ hat die Stadt Bielefeld gelernt, wie wertvoll eine Bürgerbeteiligung sein kann.
 
Was kann man tun, um die vielen Migranten in diese Prozesse einzubinden?
 
Es gibt seit vielen Jahren vor allem zum Türkischen-Islamischen Kulturverein sehr gute Kontakte. Eine regelmäßige Präsenz auf den Sennestadtfesten, gegenseitige Einladungen zu hohen Festtagen, das „Frauenfrühstück“ und ein gemeinsamer Ausflug im letzten Jahr zur Moschee nach Duisburg und zum Kölner Dom sind Beispiele.
Alle diese Aktivitäten werden natürlich nur dann angenommen, wenn die Beteiligten dies auch so wollen. Es wird ein lang anhaltender Prozess sein, bis sich sichtbare Erfolge einstellen werden. Vor allem müssen die „Deutschen“ ein aktives kulturelles und gesellschaftliches Leben vorleben und in ihren Wertvorstellungen erkennbar sein, damit die Neubürger sehen, worauf sie sich bei der „Integration“ einlassen.
Dazu wird es wichtig sein, gemeinsame Projekte anzustoßen und für beide Seiten attraktive Angebot zu machen. Als Beispiel kann hier der „Open Pavillon“ genannt werden, der nun zum Glück zusammen mit dem LUNA weitergeführt werden soll. Hier konnten sich junge Menschen aller Kulturen und Schulgattungen artikulieren und auch kreativ gestalten. Der Arbeitskreis „Zusammenleben“, der unter der Leitung von Mustafa Cetinkaya vom Stadtteilmanagement im vergangenen Jahr eingerichtet wurde, bietet einen hervorragenden Organisationsrahmen für dieses Problemfeld.

Diese Seite wurde zuletzt am  06. November 2010   aktualisiert
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