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Bruno Buschmann - Bronze-Stele auf dem Waldfriedhof
Der Zweite Weltkrieg hat Industrie und Wirtschaft in Deutschland von Arbeitskräften entblößt. Es wird geschätzt, dass zwölf bis 14 Millionen Menschen zur Arbeit in Industrie, Landwirtschaft, Handwerk, Verkehr, Verwaltung und Haushalten zwangsverpflichtet wurden.

Die Fremdarbeiterinnen und Fremdarbeiter aus den besetzten Ländern wurden als Arbeitssklaven betrachtet und in Massenquartieren untergebracht. Soweit sie das Kriegsende 1945 erlebten, gehörten sie eigentlich zu den Siegern. Sie blieben aber trotzdem zum Teil in denselben Lagern. In ihre Heimat im Osten konnten, wollten oder durften sie nicht zurück, ohne Gefahr für Leib und Leben. Viele von ihnen wanderten aus nach Übersee.

Fast 4000 dieser "displaced persons" lebten im Lager Augustdorf; zu dem der Leiter des Sozialdienstes Bethels, Walter Gebauer gerufen wurde. Er war der Motor für die Gründung der Beckhofsiedlung 1958, unterstützt aus Mitteln der UNO, des Landes Nordrhein-Westfalen, der Diakonie, der Kirchen und der vBA Bethel.

Die Geschichte der ehemaligen Zwangsarbeiter ist aktuell. Bis heute ist keine Regelung zur Entschädigung für die wenigen noch Lebenden gefunden worden. Ein beschämendes Beispiel für alle bisherigen Regierungen der Bundesrepublik. Es scheint der Tenor vorzuherrschen: Vergessen statt erinnern! Zu Ehren der Menschen, die aus der Beckhofsiedlung auf dem Waldfriedhof Sennestadt ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, ist ein Gedenk- und Mahnzeichen errichtet worden: Es soll erinnern und helfen, dem Hass und der Fremdenfeindlichkeit heute zu begegnen. " Vergessen führt in die Verbannung, sich erinnern bringt das Geheimnis der Erlösung näher", sagt ein Wort aus der jüdischen Tradition. Wer aus der Verflochtenheit in die Geschichte seines Volkes in eine menschliche Zukunft finden will, wird diese Geschichte annehmen, Betroffenheit zulassen, um Vergebung bitten, bereit sein zur Begegnung und wachsam gegenüber Fremdenfeindlichkeit und Rassendünkel in unseren Tagen.
Auf dem Weg des Ausgleiches und der Versöhnung gilt:
SICH ERINNERN STATT VERGESSEN. - Pastor Albrecht Wolf - (Leiter der Teilanstalt Eckardtsheim)
Artikel von 1999