Auch in der Kultur:  Auch mal lokal statt nur global ...
... denn das Gute liegt so nah Quelle: ORTSGESPRÄCH vom November 2011
Herbst und Winter sind die Jahreszeiten der kulturellen Veranstaltungen.

Theater, Konzerte und Ausstellungen werden auch in Bielefeld reichlich angeboten. Ob ein Oratorium in der Oetkerhalle, eine Oper, ein Musical oder Schauspiel im Stadttheater, eine Ausstellung in der Kunsthalle, dem NAMU oder in den zahlreichen Galerien unserer Stadt – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Nicht vergessen sollte man auch die alternative Szene wie Theaterlabor, das Totz-Alledem-Theater, Artists unlimited, das Kabarett im Zweischlingen oder die Neue Schmiede.

Auch in den Stadtbezirken gibt es immer wieder bemerkenswerte kulturelle Angebote. Klein, aber fein, heißt hier die Devise.

Und doch ist es häufig so, dass – abgesehen von Premieren und Vernissagen – die Säle halb leer sind, die Bemühungen der Veranstalter nicht honoriert werden.

Woran liegt das?
Kultur ist auch kommerziell, ein Geschäft. Große Namen werden vermarktet und wie ein Markenartikel den Menschen als einzige Option eingehämmert. „Man“ geht eben zu Anne-Sofie Mutter, zu Anna Netrebko oder Lang-Lang. Es ist so etwas wie ein großes Event, wo man meint, dabei sein zu müssen, damit man mitreden kann. So gibt man dann für eine Eintrittskarte mal eben 120 Euro aus und fährt viele Kilometer zu einer Vorstellung nach Berlin oder München.
Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass es Ausnahmekünstler gibt. Ich bin mir aber sicher, dass die wenigsten Besucher solcher Events tatsächlich den Unterschied zwischen diesen in den Medien immer wieder bejubelten Stars und einem vielleicht weniger bekannten, aber durchaus qualitativ ausgezeichneten Geiger oder Pianisten hören können.

Die meisten Menschen sind wie ich selbst interessierte Laien, die Kunst und Kultur lieben, sich an ihr erfreuen und ihren Anspruch in einer Stadt wie Bielefeld meistens erfüllt bekommen.

Dazu kommt noch: Durch die immer ausgefeiltere Aufnahmetechnik können wir heute absolut makellose, technisch und künstlerisch großartige Meisterwerke auch auf CD und DVD hören und sehen. Jeder kleinste Patzer, jede Indisposition eines Künstlers können korrigiert werden. In einem Live-Konzert, einer Theateraufführung ist das anders.

Dort begegnen wir den Künstlern unmittelbar, sehen und hören sie agieren in ihrer Größe und vielleicht auch Schwäche.

Aber gerade dies macht meines Erachtens die Sache spannend. Wir sollten uns ein wenig von dem Anspruch lösen, alles vollkommen haben zu wollen. Ich rede damit nicht dem Dilettantismus das Wort.
Aber Kultur ist etwas Lebendiges. Zu ihr gehören die Leidenschaft und das Können der Künstler, aber auch die Empathie und die Bereitschaft ihrer Konsumenten, sich auf das Gebotene einzulassen – auch ohne den Anspruch der Vollkommenheit. Dann kann Kultur auch in unserer Stadt und in unserem Stadtbezirk gedeihen, weil sie die Seele der Menschen erfasst.
 
Elke Klemens